Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Ausklingen lassen auf Si Phan Don

Ich sitze auf einer hölzernen Terrasse auf Don Khone, einer der 4000 Mekong-Inseln ganz im Süden von Laos. Wir sind mit Motorbikes auf die Insel rüber geschippert und werden nach ein wenig island hopping zum Vat Phu ans Festival fahren.

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Unten rauscht grün das Wasser vorbei, ein leichter Wind weht, im Hintergrund scheppert Lamvong, der traditionelle Tanz, aus Musikboxen. Der Newsroom der Vientiane Times ist bereits sehr weit weg. Ein idealer Zeitpunkt um ein letztes Mal zu rapportieren. Es waren unglaublich bereichernde drei Monate, sie haben mir einen tiefen Einblick in das Land gewährt und gingen viel zu schnell vorüber.

Es war einiges los in den letzten Wochen: das chinesische Neujahr, Barbecues, Badmington (alles verloren) und viele gute Gespräche mit Expats und hiesigen Vientianern und Vientianerinnen. Ein Businesstrip nach Vangvieng hat meine Nachfolgerin Deborah Rast journalistisch verwertet (siehe ihr Blog). Hier noch ein lustiges Video von unserem Veloausflug zur Tham Phu Kham:

Am Mittwoch der letzten Woche kam der Newschef aufgeregt zu mir und sagte, dass am Donnerstag um 15 Uhr noch eine kleine Abschiedsparty stattfände. Zuvor waren alle sehr besorgt, wo, wie und wann ich mich denn verabschieden würde, ich dachte, ich mache das dann am Freitag spontan. Der Apéro ging à la française über die Bühne: Baguette, Paté, Hühnchen mit laotischen Häppchen dazwischen.

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Typisch laotisch: Jede Gelegenheit zu trinken, essen oder spielen wird gnadenlos genutzt. Der 5-Liter-Rotwein-Karton stand bereit. Man nutzte den Anlass und feierte auch gleich die Ankunft von Deborah Rast (seit zwei Wochen hier) und einer australischen Volunteerin (schon drei (!) Monate hier). So wunderbar unkompliziert können nur die Laoten sein.

Nun bleibt also das Aufbereiten. Dort ein report, da ein Fragebogen. Die Kurzfassung: Die Stage war für mich persönlich äusserst bereichernd, auf einer professionellen Ebene hingegen eher etwas mau. Auch für die “Vientiane Times” ist ein Rückblick fällig, obwohl ich weiss, dass in den letzten zehn Jahren hunderte von Seiten mit Verbesserungsvorschlägen geschrieben, aber nie beachtet worden sind.

Insgesamt ist es erstaunlich, wie man ein Land anders erfährt, wenn man dort lebt statt nur durchreist. Klar, der Unterschied war mir schon vorher schon klar, aber dessen Grösse ist doch sehr erstaunlich. Er wird einem bewusst, wenn man mit Touristen spricht, die hinter der wunderhübschen Fassade die Realität nicht sehen (wollen?).

Geschrieben habe ich noch einen Text über essbare Insekten (“The world is craving for crickets“) und eine kleine Repo für die ZS (“Betriebswirtschafter fahren Pickup“). Fürs Saldo habe ich noch die Lebenskosten hier recherchiert (“Leben im Ausland: Vientiane, Laos“). Noch folgen wird etwas im “Sonntag”, Reiseberichte und ein Erfahrungsbericht in einem Journalisten-Magazin. Total habe ich etwas über 30 Texte geschrieben, davon 10 Blog-Einträge hier und 13 Artikel in der Vientiane Times. Einige hatten jedenfalls Freude daran. Ich hab einen Aushang im Book-Café, beim Verleger der Dr.-Siri-Romane gekriegt!

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Gerade weil ich nur geschrieben habe, reizt es mich, noch ein anderes Projektchen bei der Vientiane Times zu verwirklichen: Ein kleiner workshop übers Schreiben von Features mit den jüngeren Journalisten. Ich habe die Verantwortlichen gefragt und sie fanden die Idee alle gut. Gehen werde ich jedenfalls noch nicht gerade. Das Land hat es mir angetan. Und der Drang, in den survival-of-the-fittest-Kampf der Schweizer Verlage und Zeitungen zurückzukehren, hält sich in Grenzen.

Nun wartet eine dreiwöchige Reise durchs Land. Zuerst durch den Süden, dann durch den Norden. Es ist Trockenzeit, das Land ist braun, die Flüsse grün. Das wird sich in der Regenzeit ändern: Dann sind die Flüsse braun und das Land wird grün. Nach den ersten Tagen durch den Süden sahen wir vor allem eins: Wasserfälle – die weltweit wohl am meisten überschätzte Sehenswürdigkeit. Obwohl, der Tad Yuang auf dem Bolaven-Plateau war ganz hübsch.

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Es tut durchaus gut, wieder für einige Zeit ein Tourist zu sein. Man wird, als weisshäutiger falang, sowieso immer für einen gehalten. Pop kan mai, Vientiane Times!

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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