Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Reise, reise!

Die Zeit fliegt nur so vorbei. Die Produktivität sinkt. Das europäische Arbeitsethos verlässt langsam meine Seele und laotische lazyness kriecht hinein. Auch Beerlao macht träge, und ohne Beerlao geht hier nichts. Dazu eine Episode: Gestern wollte ich im Zirkus Tickets für eine Abendvorstellung kaufen. Für so was muss man hinfahren und für so was habe ich meine neue Honda gekauft (OK, es ist keine Honda und OK, der Töff war nicht neu, aber es steht Honda drauf und er läuft prima). 200 Franken für einen Kolao: Das ist ein Schnäppchen. Nach einigen Reparaturen springt beim Wiederverkauf vielleicht sogar ein wenig Profit raus. Die richtige Farbe hat das Motorbike jedenfalls, rot und schwarz sind cool, grün und andere Farben will niemand. Vorne klebt irgendein Idol, hinten ein Hello-Kitty-Plastikkleber, da soll stehen “I love you and miss you very much”. Nice.

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Aber zurück zum Beerlao. Ich fahre also da auf den Parkplatz, 5000 Kip, parkiere und frage nach Tickets. Die Parkticket-Verkäuferinnen schütteln mitleidig den Kopf. Weil man hier immer mindestens an drei Orten nachfragen sollte, versuche ich es an drei weiteren Orten. Sie schütteln alle mitleidig den Kopf. Aus dem Innern des einem Zirkuszelt nachempfundenen Gebäudes dröhnt vietnamesische Musik und Klatschen. Essensstände und Spielzeugverkäufer buhlen um die Aufmerksamkeit des falangs, der nicht begriffen hat, dass die Zirkusvorführungen wohl das einzige im Land sind, wo man nicht einfach hinfahren kann.

Ich hole den Töff, zücke mein Parkticket. Die Laoten am Parkticketverkaufstischchen (das macht man nie alleine, zwei Frauen und drei Männern sitzen da, eine Flasche Beerlao auf dem Tisch) grinsen breit und nehmen das Ticket. Sieben Minuten Parkzeit, 50 Rappen Parkgebühr: easy money! Aber irgendwie scheint das ihnen dann doch zu abzockerisch zu sein. Eine kurze Diskussion und der Mann füllt kurzerhand eine halbe 66cl-Flasche Beerlao ab und streckt mir das Glas hin: “Mot!” Austrinken! Ich sitze auf dem tuckernden Töff, es ist zwei Uhr nachmittags und muss das Bier exen, alles andere wäre unfreundlich. Es ist meine Entschädigung für den horrenden Parkpreis und mein Unglück mit den Tickets. Solche Episoden gibt es viele. Ohne Beerlao geht hier nichts. Dazu folgendes:

In 2012, the company was able to distribute more than 350 million litres. The company capacity production of beer increased from 200 million litres per year in 2010 to 280 million litres in 2013 and it will pay its efforts to brew 400 million litres by 2015.

Quelle: KPL

Beerlao hat hier 99 Prozent Marktanteil. Exportiert wird nicht viel, das heisst die Laoten trinken etwa 60 Liter Bier pro Kopf und Jahr. Ein einziges Bier aus einer einzigen Brauerei. Die Schweizer trinken 52 Liter pro Kopf und Jahr. Unzählige Biere aus 280 verschiedenen Brauereien. Es braucht keine Entscheidungen beim Bierkosum, denn es ist immer Beerlao: Motorradkauf-Feier, Hauseinweihung, Freitagabend, Samstagabend, Hochzeiten, Büro-Umtrunk oder einfach so.

Aber eben, die Senkung der Produktivität. Das passiert hier einfach. Das hat nicht nur mit Beerlao zu tun. Wer hier weiterschuftet wie ein Europäer, den halten die Laoten für nicht ganz richtig im Kopf. Wenn zu viel los ist, droht ein “headache”, wer zu “busy” ist, wird krank. Zur Assimilation gehört ein weniglazyness also dazu. Nichtsdestotrotz war der Januar einigermassen stressig. Denn letzte Woche fand hier in Vientiane das ASEAN Tourist Forum statt. Alles, wo “ASEAN” draufsteht ist für die “Vientiane Times” ein grosses Ding, besonders, wenn es hier in Laos stattfindet. Einen solchen Anlass zu organisieren, bedeutet internationale Aufmerksamkeit. Ausserdem können so all die gigantischen Hallen und schicken Unterkünfte, die unter zwielichtigen Umständen für das ASEM-Meeting Ende 2012 (Burkalter und Widmer-Schlumpf waren auch da) gebaut wurden, wiederverwertet werden.

Was das ATF genau soll habe ich bis heute nicht ganz begriffen. Touristiker fluchen darüber. Eine Homepage gibt es nicht (gibt es eigentlich nie bei laotischen Anlässen). Ganze Hotelkomplexe sind dafür gebucht und die bestehenden Reservationen storniert worden. Die Standmieten sollen überteuert sein. Die “Vientiane Times” setzte alles daran, die Schönheiten von Laos zu propagieren. Dazu haben sie auch mich eingespannt.

Viertägige Töfftour in Zentrallaos:
Motorbike diaries in the karst of Khammuan
Einige zusätzliche Eindrücke in diesem Fotoalbum

Die berühmte Konglor Höhle:
Tham Konglor: Laos’ most scenic trading route

Der Buddha Park gleich ausserhalb von Vientiane:
Xieng Khuang: a blend of Buddhism, Hinduism and the bizarre

Das palm leaf manuscript festival in Ban Na Xone:
A festival for hand-written palm leaf manuscripts

Der letzte Text entstand unabhängig vom ATF. Ich hatte das Projekt zur Digitalisierung und Veröffentlichung der laotischen Manuskripte im Internet gefunden (zuvor war ich im Staatsarchiv Zürich im TKR-Projekt angestellt, muss wohl darum irgendwie darauf gestossen sein) so ergab sich diese Geschichte. Weil ein Loch da war, publizierten wir sie eben mit ATF-Logo. Warum auch nicht.

Weil ich gerade merke, dass dieser Text etwas eklektisch geworden ist, zuletzt noch dieses Video hier zur Tatsache, dass zur Zeit dry season sein sollte:

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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