Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Eyyy-Sexy Lady! Lao Gangnam Style

PSY ist überall. Der koreanische Popstar mit dem kantigen Gesicht penetriert den Alltag in Vientiane vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Das erste Mal traf ich den Oppa am That Luang Festival. Am Hauptplatz verkauften koreanische Multis generische Produkte, auf dem Markt spielten die Elektrohändler Gangnam Style.

Musik hört hier in Laos niemand. Es ist eher ein Zudröhnen mit Bässen. Das kann kaum an der Technik liegen, aber hier gibt es nur zwei Lautstärken: Stille oder maximaler Lärmpegel. Wer sich im Zürcher Ausgang beklagt, die Musik sei zu laut, soll das hiesige Nachtleben mal auschecken. Volles Rohr, nicht nur im Klub, sondern auch am Strassenrand, immer und überall. Das Wort “Lärmklage” muss auf laotisch erst noch kreiert werden. Und immer wieder: GANGNAM STYLE!

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Kürzlich war hier in Vientiane das jährliche Konzert von COPE, einer NGO, die sich für UXO-Opfer einsetzt, Prothesen finanziert und die Räumung von bombenverseuchtem Gebiet vorantreibt (Laos ist das per capita am heftigsten US-bombardierte Gebiet des Indochina-Kriegs). Es war eine Art Heimwehkonzert für die Expat-Community, die einmal im Jahr nach einem Rockkonzert à l’Europe lechzt. PSY war auch da:

Dass Kindervorführungen üblicherweise zu dem Hit stattfinden, der zuoberst in den Charts steht, scheint ein weltumspannendes Prinzip zu sein. Vorletzte Woche besuchte ich eine Schule für autistische Kinder. Die Entwicklungsstörung ist hier völlig unbekannt. Die Schüler übten für eine Aufführung vor den Eltern zu Weihnachten. Zu welchem Song? Gangnam Style! Der Text “Lao parents try to raise awareness about autism” ist die Ausbeute. Der Mann der Schuldirektorin ist der Autor des “Kulturschock Laos” in der Reise-Know-How-Reihe, wie ich per Zufall noch rausgefunden habe. Vientiane ist klein.

Die Musikszene generell ist eintönig. Schnulzige Thai-Songs, einige wenige auf laotisch, sonst internationale House-Beats. Es scheint eine Metal- und Rockszene zu geben, die Bands treten aber nie auf und werden von der breiten Masse nicht wirklich gehört, glaube ich. Ein Expat in einer Expat-Bar (Entwicklungsökonom, seit einem Dutzend Jahren hier) sagte, das Indiz für die Armut an moderner laotischer Kultur sei, dass es nur zwei Adjektive auf laotisch gebe, um Musik zu umschreiben: “funny” und “not funny”.

Übrigens das gescheiteste, was zu PSY bisher geschrieben wurde:

The Obligatory Gangnam Style Post
Gangnam Style by PSY

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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