Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Informationen kriegen oder wie ich den Präsidenten des burmesischen Schachbunds kennenlernte

Das schwierigste am laotischen Journalistenleben ist etwas, was sich Herr Schweizer 2.0 gar nicht mehr gewöhnt ist: Das Beschaffen von Information. Emails werden nicht beantwortet. Im Internet ist sowieso niemand präsent. Telefonanrufe nehmen alle mit “Sabaidee” ab, gefolgt von “No, no!” wenn ich nach Englischkenntnissen frage. Nur schon die Vorstellung, dass ein Journalist anruft, scheint abwegig zu sein. Zuerst bitte Brief mit Stempel schicken!

Dazu kommt die Sprachbarriere, die zwischen den Expats und den Laoten steht wie der geplante Xayaburi-Staudamm. Hätte ich mir doch den vierwöchigen Intensiv-Sprachkurs bei den Missionaren gegönnt.

Und so scanne ich das Internet, die Zeitungen, die Tafeln mit Kleinanzeigen oder fahre mit dem Velo durch die Stadt, bis etwas Berichtenswertes zum Vorschein kommt. So fand ich den Chessclub Vientiane. Gleich am ersten Sonntag ging ich hin, spielte einige Partien und kriegte dabei den Kontakt von John, dem Sekretär der National Chess Federation of Laos. Der Präsident ist ein Parteimann und macht nichts ausser Repräsentieren. Dann mit John einige Emails ausgetauscht, ich würde gerne über Schach in Laos schreiben, er sagte, er melde sich.

Am Mittwoch klingelt das Telefon: “This afternoon, 2pm!”
“Ok!”

Als ich den Raum betrat, sass eine fünfköpfige Delegation aus Burma da. Jeder mit einem 250cl-Fläschchen “Tiger Drinking Water” vor sich, die bei jedem Treffen gereicht werden. Lange Einführungen, Willkommensgrüsse, ich hatte keinen Plan, um was es geht und nach vierzig Minuten dreht sich John zu mir um und sagt: “Now you can ask questions!”. Ziemlich perplex fragte ich irgendwas, warum Schach gut für Kinder sei oder so ähnlich, da ich immer noch begriffen hatte, was das Ganze eigentlich bedeuten sollte. Zum Glück sprach Maung Maung Lwin gut Englisch.

Der Hintergrund: Schach hat in Laos keine Tradition. Als der zwielichtige FIDE-Präsident Kirsan Illyumzhinov im Jahr 2010 wohl für seine Wiederwahl die Stimme von Laos kaufen wollte, bekam John als Dank dafür einiges an Material geschenkt. Auch die Asian Chess Federation unterstützt das Land. Was John, ein lustiges Männlein mit Glatze und Schnurrbart, ausserdem Katholik, mit all den Ressourcen tut, weiss allerdings niemand so recht. Die Expats vom Schachklub, die helfen wollen, ignoriert er. Die Schüler, die an ein Turnier nach Vietnam gingen, gewannen keine einzige Partie. Wie viele Schüler der anvisierten 17 Provinzen wirklich Schach spielen bleibt dahingestellt. Laos halt. Aber: Ungefähr 200 Schüler spielen jetzt immerhin regelmässig Schach.

Ich glaube jedenfalls, die Burmesen haben vor zwei Jahren hier Schachlehrer ausgebildet und waren nun auf Besuch. Nach den Floskeln sind wir rumgestiefelt, schauten Schülern, die wohl extra dahin beordert worden waren, beim Spielen zu und machten ein Erinnerungsfoto mit einem laotischen Regelbuch in den Händen. Danach zog der Tross wieder ab.

John: “I call you!”
“Ok!”

Da ich nicht davon ausgehe, habe ich die News “Myanmar Chess Federation visits Lao counterpart” geschrieben. Sonst gibts halt noch ein Feature. Wir hatten auch die Idee, eine Simultan-Vorstellung zu organisieren. Vielleicht kommt die VT ja dann vorbei.

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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