Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Miss Lao

Letzte Woche brach plötzlich Unruhe im Newsroom aus. Die Sessel leerten sich. Weil alle Lao sprechen, kriege ich jeweils nicht mit, was gerade passiert, höre aber ziemlich gut heraus, wenn jemand über mich spricht. Ein Kollege, in der Schweiz wohl dem „Blattmacher“ entspricht, sagte also zu meiner Chefin „pangsihaudap chaikhawLUKASxian luangdong“ oder so ähnlich. Auf Nachfrage: „Miss Lao! You want to see?“ Er will mir Miss Laos zeigen?

Natürlich gerne! Wir, die Vientiane Times, sind Sponsoren der Miss-Lao-Wahl. Also kamen alle 20 Miss-Kandidatinnen in der Redaktion vorbei – ein ungewöhnliches Highlight im muffigen Newsroom! Jeder zückt seine Kamera und blitzt los. Die Missen sitzen höflich im Konferenzraum und stellen sich vor. Hier sind auch die Miss-Wahlen kommunistisch: Alle tragen exakt das Gleiche. Fotos, Geschnatter (der männlichen Redaktionskollegen) und Höflichkeitsformeln machen die Runde.

Der Chef schenkte nun mit einer gütigen Geste allen eine Vientiane-Times-Stofftasche. Nicht gerade ein hippes Accessoire. Nun stehen alle aufgedonnert im Newsroom, mit einer Öko-Hippi-Tragetasche an der Schulter worauf steht: „Vientiane Times – Fast Reliable Responsible“. Ein schmunzelnswerter Anblick. Danach enstehen sofort lebendige Diskussionen, wer denn nun die Schönste im Land werden soll. Favoritinnen: M1, M9, M10, M16 und M20.

Gestern abend war dann Wahl. Ich habe mich sehr bemüht, ein Ticket zu bekommen. Vergeblich. „Only one entry“, sagte die Dame am Empfang. Der Reporter, den ich begleitete, entschuldigte sich. Ich sei der Fotograf. Ich sei extra aus der Schweiz gekommen. Sie blieb hart. Er entschuldigte sich und entschuldigte sich, bei ihr und bei mir. Nix zu machen.

Jänu. Vielleicht hätte auch ein australischer Kollege und sub-editor nicht mitkommen sollen, den wir reinschmuggeln wollten. Er stand in Flip-Flops in der Empfangshalle des Don Chan Palace. Sein Hemd hatten wir vorher extra noch in die Hose gestopft. Sein Habitus passte aber irgendwie nicht in die piekfeine Atmosphäre. Was bedeutet: Man trägt Anzug und Roller- sowie Velofahrer werden höflich weggewiesen. Er fuhr Roller, ich Velo. Was mir blieb, war ein Foto von aussen. Dafür wettete ich noch zwei Beerlao auf die M1, mit dem Rezeptionisten meines Guesthouses und mit Mr. S, dem Reporter. Leider verloren. M20 gewann.

Nachtrag #1: Hier der Text des VT-Reporters.
Nachtrag #2: Promi und ich.

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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