Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

I want to ride my bicycle

Alle, die hier leben, halten den Verkehr in Vientiane für grausam. Ein expat, der hier eine Bar führt, fährt weder Velo noch Auto noch Roller. Er hat panische Angst davor, bewegt sich nur noch zu Fuss in den Blocks rund um sein Lokal. Alle, die er kenne, hätten Verkehrsunfälle gehabt. Niemand trage Helm.

Das etwas übertrieben. Wer mit wachen Sinnen und gemächlichem Tempo fährt, sollte die Blechlawinen überleben. Fürwahr, die nouveau riche von Laos kauft als erstes einen grossen, silbrigen Van, die nun überall die Strassen verstopfen, aber da gibt es andere Städte-Moloche, auch hier in Asien, deren Asphalt noch viel krasseren Verkehr erdulden muss.

Ein Problem ist jedoch, dass die Strassen nicht für die vielen Autos gebaut worden sind: Es gibt keine Parkplätze – man versetze sich kurz in das Hirn eines Zürcher-SVP-Verkehrspolitikers im Jahr 2042 in einem Zürich, in dem rot-grün in dreissig Jahren alle Parkplätze abgebaut hat. Etwa so muss sich fühlen, wer mit einem Hilux durch die hiesigen Strassen brettert. Wer seinen Van parkiert, der kann nur hoffen, nicht von allen Seiten zugeparkt zu werden. Auch ein Velo schützt davor nicht:

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Velo, zugeparkt von Motorrädern.

Die Verstopfung wär geringer, würden die Vientianer nicht hauptsächlich Pickups kaufen. Jedes vierte Auto hier ist ein Toyota Hilux – weltweit bekannt als eines der unzerstörbarsten Autos überhaupt. Ein Basismodell soll nach dem Rezeptionisten meines Guesthouses (sein Nebenjob, sonst studiert er Geographie) 37’500 US-Dollar kosten, was für laotische Einkommen eine astronomische Summe ist. Auch in Thailand ist der Hilux sehr populär, dort wird er mit Cristiano Ronaldo vermarktet. Weil hier alle thailändisches TV gucken, mag das einen Einfluss haben. Ich habe mich dann versucht, in einer Art Porträt der Stadt aus der Sicht eines Touristen an diese Frage anzunähern. Der Text “Vientiane: the city that’s a village at heart” erschien heute in der VT.

Gestern Abend um acht Uhr rief mich der Chefredaktor an. Er wollte keine Gratis-Werbung für Toyota machen und so fügten sie im Korrektorat den folgenden Satz noch hinzu:

In fact, it’s not when compared to the cheaper Korean and Chinese pickups.

Da hat er recht. Allerdings steht der Satz jetzt etwas quer im Text. Es hat mich ziemlich erstaunt, dass der Artikel so erscheinen konnte, die Tonalität ist doch etwas anders als in den klassischen Features der Vientiane Times.

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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