Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Vorbereitungen rund um die grosse goldene Stupa (Pha That Luang)

Am Montag beginnt das dreitägige That-Luang-Festival. Es ist die wichtigste Feier im laotischen Kalender. Rund um das Pha That Luang – die goldene Stupa – beginnt schon eine Woche zu vor eine riesige Chilbi. Meine Chefin will, dass ich ab Montag hingehe und so fuhr ich bereits heute mit meinem neu erworbenen 1-PS-Gefährt zum laotischen Nationalheiligtum, das 1992 Hammer und Sichel auf der laotischen Flagge ersetzte und seither drauf prangt. Ganz verabschieden wollte man sich aber von den kommunistischen Wahrzeichen doch nicht: Sie wurden quasi outgesourct und jeder Fahnen-Verkäufer hat neben der Nationalflagge nun auch eine rote mit gelber Sichel und gelbem Hammer im Sortiment.

Die Velos hier haben alle ihre Tücken. Die chinesischen seien besser als die vietnamesischen als die thailändischen, sagte ein Laote, ich entschied mich für die Mitte und fahre nun einen Drahtesel aus Vietnam. Mit einer Acht im Vorderrad und tückischen Bremsen.

Vientiane ist eine luftige Stadt. Viele brachen Flächen, kaum hohe Gebäude. Wie in allen asiatischen Städten sind Inder und Chinesen stark vertreten. Zwischen den integrierten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden hat die laotische Regierung weisse Brachialbauten hingepflanzt. Ministerien, Kulturhalle und Präsidentenpalast in tempelähnlicher Architektur wechseln sich ab mit winzigen Essensständen und Werkstätten. Sonst ragen nur die Banken und Telekommunikationsfirmen in den Himmel. Westliche Megafirmen gibt es keine. Lokale Franchisen und Tochterfirmen kommen aus China, Vietnam oder Thailand.

Beim Pha That Luang herrscht Ausnahmezustand. Der riesige, offizielle Platz bleibt offiziellen Händlern vorbehalten, ausserhalb aber drängeln sich abertausende Garküchen an die Absperrgitter: Planierte Tintenfische, Hühnchen am Spiess und Reis im Bambusrohr bieten sie feil. Der Platz ist rappelvoll. Popmusik plärrt ohrenbetäubend aus den Lautsprechern. Mönche bereiten in orangen Roben das Fest vor. Die laotischen Frauen tragen alle den traditionellen Sarong, der zum Betreten des Tempels vonnöten ist. Jungs mit Gel-Frisur stöbern an den Kleiderständern. Die Struktur ähnelt der eines europäischen Musikfestivals. Alle grossen Marken sind vertreten: Samsung, Oishi-Tee, chinesische Produkte und sogar Ovomaltine (hier: Ovaltine). Daneben lokale Händler mit Billigwaren. Ein lottriges Riesenrädchen und ein klappriges Karrussell werden von Kindern belagert.

Ab Montag finden hier die offiziellen Zeremonien statt, über die ich hoffentlich in der Zeitung schreiben werde. Die laotischen Reporter sind mir gegenüber vorsichtig interessiert – kommunizieren tut aber niemand. Letzte Woche verlieh die Regierung dem Regionsverantwortlichen des schweizerischen roten Kreuzes eine Medaille für seine Verdienste. Gleich neben der Redaktion. Mir sagte davon niemand etwas, den Tipp gab mir jemand von den englischen sub-editors, ich ging eine halbe Stunde zu spät hin, kam noch rechtzeitig, was aber auch nichts brachte: Die Stories schreiben alle alleine, Nachfragen tun sie selten. Mein Vorgänger hatte recht: Ohne Eigeninitiative würde ich hier in drei Monaten nur wenige Zeilen schreiben.

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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