Laos, Stagiaire (MAZ/DEZA)

Angekommen

„Laos? Ist das in Afrika?“ Es gibt Ausnahmen, aber ein ziemlich hoher Anteil der Schweizerinnen und Schweizer kennen das südostasiatische Land nicht. Es ist versteckt sich auch ziemlich gut auf der Landkarte: Mitten auf dem Mekong-Delta, eingenistet im Gebirge zwischen Thailand, Kambodscha, Vietnam, China und Myanmar. Unter Backpackern ist es mittlerweile bekannt – bald zu bekannt? – als letzte unberührte Perle Südostasiens.

Auch die Manager des Bangkoker Suvarnabhumi-Flughafens setzen das Land an die Peripherie. Laos gehört nicht zum Kerngeschäft, die Lao Airlines fliegen ab Gate F1. So weit vom Zentrum der gigantischen, silbernen Hallen entfernt, dass man sich wie in einer Abstellkammer vorkommt. Eine Gruppe Inder, bärtig und mit Turbanen, dreht enttäuscht um sucht weiter nach ihrem Abflugsort.

Dabei war von weitem klar, dass die hier nicht hingehören: Einerseits haben die laotischen Stewardessen allen Lao-Airlines-Passagieren einen grünen Aufkleber mit einem lächelnden Airbus auf die Brust geklebt (die Inder hatten keinen!), andererseits hätten sie nicht den übrigen Wartenden gepasst. Hier sitzen einige falangs, einer mit laotischer Frau, drei Backpacker und ich. Sonst nur Laoten. Ich kann sie nicht unterscheiden von Kambodschanern oder Thailändern. Trotzdem sind die anders. Irgendwie ländlich. Wie wenn sich eine Familie aus der Zürcher Landschaft schick anzieht und im Hauptbahnhof steht.

Die Reise nach Vientiane ist kurz. Ein nagelneuer Airbus, grasgrüne Sitze, sogar mit LCD-Screens, die aber nicht funktionieren. Die cabin crew bemüht sich auf dem knapp einstündigen Flug durch tiefschwarze, regnerische Nacht ein Essen zu servieren. Es gelingt. Stolz verräumen die Stewards die Metallwägelchen, nur Sekunden, bevor der Pilot sie wegen Landung mahnt, sich anzuschnallen.

Nach einem Visa (mittlerweile klar: das falsche), vorbei an grimmigen Grenzwachtpolizisten betrete ich dann endlich Laos. In Flughafentempel Bangkok war es nur eine Duftnote, aber hier schägt Südostasien mit seiner ganzen Wucht zu. VT-Manager Cid bringt mich zum Ministry of Culture, Information and Tourism Guesthouse. Ein Loch – egal, Hauptsache angekommen. Unter einem Ventilator, der dröhnt wie eine Hummel derselben Grösse verbringe ich die Nacht. Der Pilot der Lao Airlines, der 36° C ankündigte, muss falsch gelegen haben. Nach Mitternacht wird es angenehm kühl.

Der erste Tag hier in Vientiane transformiert die Abschiedstrauer in eine gespannte Vorfreude. Neugierige Gesichter auf der VT-Redaktion und Hilfsbereitschaft überall. Hier im Internetcafé sitzen rechts und links von mir deutsche Touristen und diskutieren, welche Destinationen sie noch “machen” wollen. Wie die meisten, “machten” sie bereits Luang Prabang, Van Vieng und was dazwischen lag. Die Stadt ist voll von Ihnen: Kurze Hosen, Lonely Planet und Flip Flops. Nicht, dass ich das schlecht fände; ich bin ganz einfach froh, keiner von Ihnen zu sein. Zwar bin auch ich ein falang, aber doch einer, der hier arbeitet.

Am Montag beginnt offiziell die Arbeit. Seit 1994 existiert die Vientiane Times, die einzige englischsprachige, laotische Zeitung. Sie ist im Informations-Ministerium eingegliedert und liest sich auch so. Meinen Arbeitsplatz im “Newsroom” habe ich bereits eingeweiht.

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Das Redaktionsgebäude der Vientiane Times.

Aus dem MAZ-Tagebuch.

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